Die Seite Fleshmap.com (“we explore the relationship between the body and its visual and verbal representation”) visualisiert, nach Genre (Alternative, Blues, Country, Electronica, Folk, Gospel, Heavy Metal, Hip Hop, Jazz, R&B, Rock) und Häufigkeit gestaffelt, die in Liedern besungenen Körperteile. Augen, Hände und das Gesicht dominieren und ach, wie brav ist Rock.
Thorsten Konigorski
Was wird besungen?
Montag, 27. Oktober 2008
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Wie man gekonnt mit den Stereotypen spielen kann, zeigt der Meister des ma. Minnesangs, Walther v. d. Vogelweide:
Si wunderwol gemachet
Und dabei ist er ziemlich … unartig — auch bzw. gerade weil er alles “Anstößige” der Phantasie des Hörers überläßt. Es geht also auch ohne “four-letter words” ;-)
Dagegen wirkt der ganze Hip-Hop-Kram erst recht wie hirnloses, vulgär-plakatives Potenzgeprotze.
Also ist’s heute direkter, aber dekandenter? Könnte sein. Ein Zitat aus einem ganz anderen Zusammenhang, aber in diesem Sinn: Art hides. Art has a meaning, and it hides it, on purpose. Art delivers a message, and it’s hidden, on purpose.
Fragt sich nur, ob Walther es nicht ausspricht, weil er damit kokettieren will, oder weil er — zeitbedingt — nicht durfte.
Er reizt die Möglichkeiten dessen, was im Rahmen dieser spezifischen Gattung angedeutet und gesagt werden durfte, sicher voll und ganz aus. Und wenn man den sogenannten “Hohen Sang” als Kontrastfolie für dieses Lied benutzt, wird erst richtig deutlich, wieviel er sich eigentlich an dieser Stelle herausnimmt. Es ist ein Spiel für Kenner.
Daß im Bezug auf Körperlichkeit allerdings in anderen Genres dieser Zeit (und Vortragssituationen) sehr viel Eindeutigeres und auch ziemlich Krudes möglich war, davon zeugt die Vagantenlyrik. Deren Autoren ebenso wie das Publikum rekrutierte sich übrigens — im Gegensatz zum heutigen Hip-Hop — ausnahmslos aus der Intelligentia der Zeit …
… , nämlich aus von Universität zu Universität ziehenden jungen Geistlichen und Gelehrten verschiedener Nationalität (Quelle).