Der Kulturchronist veröffentlichte letzte Woche einen Beitrag zum “Requiem” und der “Vesperae solemnes de confessore” von W. A. Mozart. Eine gute Einführung, historisch unterfüttert und — was das Requiem angeht — Gott sei Dank ein Stück entmystifizierend. Das unübersehbar vom Kulturchronist als Quelle benutzte und am Ende empfohlene Taschenbuch von Christoph Wolff, Mozarts Requiem. Geschichte, Musik, Dokumente. (Bärenreiter, München/Kassel 1991) ist zum Studium des Requiem unerläßlich, es enthält ein Fülle wertvoller Quellen und die Partitur des Fragments.
Ich frage mich allerdings, inwiefern die Sequenz im liturgischen Rahmen an zentraler Stelle angesiedelt sein soll. Aus rein liturgischer Sicht ist dies sicher nicht so. Im Gegenteil scheint mir dies eher bei konzertanten Aufführungen oft so zu wirken, als sei sie zentral, da die Sequenz einerseits aufgrund des bilderreichen Text besonders dramatische Vertonungen hervorbrachte und andererseits der weitaus textreichste Teil des traditionellen Requiem ist. Beim Mozartrequiem fiel mir im liturgischen Rahmen im Gegenteil auf, daß dort die im Konzert oft störende “steile Fügung” zwischen Kyrie und Sequenz deutlich milder ausfällt durch die Teile dazwischen. Eine lohnende Erfahrung: “Auch demjenigen, dem Mozarts letztes Werk geläufig ist, erschloss sich die … Komposition in dieser Konstellation ganz neu.”
Eine Ergänzung für Praktiker: Ich habe mit der Instrumentierung von Franz Bayer gute Erfahrungen gemacht. Sie bügelt ohne radikal mit der Süßmayr’schen Fassung zu brechen viele deren — schon früh in der Musikgeschichte erkannten — Unzulänglichkeiten aus und eignet sich auch dann, wenn man nicht ein historisches Instrumentarium (z.B. eng mensurierte Posaunen) zur Verfügung hat.