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Thorsten Konigorski

Mein Advent

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Die Rhei­ni­sche Post hatte mich um ein paar Zei­len gebe­ten. Bit­te­schön, here we are:

Für mich als Kir­chen­mu­si­ker beginnt die Vor­be­rei­tung auf Weih­nach­ten weit vor der Advents­zeit. Und wenn der Advent dann beginnt, ist er flüch­tig, zer­brech­lich und von Ver­ges­sen bedroht. Er ist an den Rand gedrängt vom allzu auf­dring­li­chen Däm­mer­licht der Weih­nachts­märkte. Seine Lie­der – meist in Moll – wer­den über­tönt von vor­zei­tig all­ge­gen­wär­ti­gen und zur Hintergrund-​​Dudelei degra­dier­ten Weihnachtsliedern.

Mein Advent kennt kein “Glo­ria in excel­sis Deo”, aber er sehnt sich freu­dig danach. Ich suche ihn, wenn ich, noch müde von der vor­abend­li­chen, der Weih­nachts­mu­sik gewid­me­ten Chor­probe, in früh­mor­gend­lich kal­ter Dun­kel­heit mei­nen Weg über men­schen­leere Stra­ßen zur Rora­te­messe auf­nehme, dann in der Kir­che vor dem Got­tes­dienst zur Ruhe komme. Wenn ich das gre­go­ria­ni­sche “Rorate” anstimme oder vom Dor­nen­wald singe.

Ich finde ihn in von freudig-​​ungeduldiger Erwar­tung leuch­ten­den Kin­der­au­gen. In der Zuver­sicht von sich ihres Lebens­ende gewär­ti­gen Mit­gläu­bi­gen. Und in all den­je­ni­gen Zuhö­rern, die beim Orgel­nach­spiel mit mir den Schmerz über jene wun­der­ba­ren, in Johann Sebas­tian Bachs Advent­scho­räle ein­kom­po­nier­ten Dis­so­nan­zen teilen.

Mein Advent ist flüch­tig und heißt “noch nicht”. Er ist vio­lett. Nicht weiß.

(Online, der Titel stammt nicht von mir.)

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