Die Rheinische Post hatte mich um ein paar Zeilen gebeten. Bitteschön, here we are:
Für mich als Kirchenmusiker beginnt die Vorbereitung auf Weihnachten weit vor der Adventszeit. Und wenn der Advent dann beginnt, ist er flüchtig, zerbrechlich und von Vergessen bedroht. Er ist an den Rand gedrängt vom allzu aufdringlichen Dämmerlicht der Weihnachtsmärkte. Seine Lieder – meist in Moll – werden übertönt von vorzeitig allgegenwärtigen und zur Hintergrund-Dudelei degradierten Weihnachtsliedern.
Mein Advent kennt kein “Gloria in excelsis Deo”, aber er sehnt sich freudig danach. Ich suche ihn, wenn ich, noch müde von der vorabendlichen, der Weihnachtsmusik gewidmeten Chorprobe, in frühmorgendlich kalter Dunkelheit meinen Weg über menschenleere Straßen zur Roratemesse aufnehme, dann in der Kirche vor dem Gottesdienst zur Ruhe komme. Wenn ich das gregorianische “Rorate” anstimme oder vom Dornenwald singe.
Ich finde ihn in von freudig-ungeduldiger Erwartung leuchtenden Kinderaugen. In der Zuversicht von sich ihres Lebensende gewärtigen Mitgläubigen. Und in all denjenigen Zuhörern, die beim Orgelnachspiel mit mir den Schmerz über jene wunderbaren, in Johann Sebastian Bachs Adventschoräle einkomponierten Dissonanzen teilen.
Mein Advent ist flüchtig und heißt “noch nicht”. Er ist violett. Nicht weiß.
(Online, der Titel stammt nicht von mir.)