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Thorsten Konigorski

J. Rohlf über Klang

Donnerstag, 25. September 2008

Durch die Ver­öf­fent­li­chung in Ars organi wurde ich auf den Arti­kel “Hören mit Ernst Kern” des Johan­nes Rohlf auf­merk­sam. Er ent­hält 12 äußerst inter­es­sante Fak­ten zur Klang­wahr­neh­mung. Ord­net Rohlf sie auch aus Sicht eines Orgel­bau­ers in sein Fach ein, dürf­ten sie jedoch dar­über hin­aus für jeden Musi­ker und vor allem Chor­lei­ter von Inter­esse sein. Hier einige Ausschnitte:

  1. Schall ist bewegte Mate­rie, mecha­nisch bewegte Luft. Diese besitzt Träg­heit und Elas­ti­zi­tät und sorgt daher für eine rela­tiv geringe Geschwin­dig­keit und Reich­weite von Schall, näm­lich ca 1224 km/​h, die Schnel­lig­keit eines Düsen­flug­zeugs, das man bequem mit den Augen ver­fol­gen kann.
  2. Der gesamte mit dem Gehör wahr­nehm­bare Bereich an Schall wird begrenzt durch Fre­quen­zen von 16 Hz bis 16.000 Hz und durch Laut­stär­ken von 0 dB (Hör­schwelle) bis 135 dB (Schmerz­grenze). Ver­gleicht man die Leis­tungs­fä­hig­keit des Auges mit der des Gehörs durch Gegen­über­stel­len des sicht­ba­ren Licht­wel­len­be­reichs mit dem hör­ba­ren Ton­fre­quenz­be­reich, so zeigt sich, in Inter­val­len aus­ge­drückt, dass wir gerade ein­mal eine Oktave sehen, aber 10 Okta­ven hören.
  3. Bei Fre­quen­zen um 1.000 Hz kön­nen etwa 80 Laut­stär­ke­stu­fen unter­schie­den werden.
  4. Hohe, leise Töne wer­den von tie­fen, lau­ten Tönen ver­deckt, nicht aber tiefe, leise Töne von hohen lau­ten Tönen. Diese Aus­sage ist ver­ständ­lich, wenn man bedenkt, dass in den Ober­tö­nen des Bass­to­nes der Dis­kant ent­hal­ten ist, nicht aber umgekehrt.
  5. Tiefe Töne erschei­nen bei glei­chem Schall­druck lei­ser als Töne im mitt­le­ren Bereich. So muss ein Kon­tra­bas­sist für ein Pia­nis­simo 100 mal so viel Schall­druck erzeu­gen, wie ein Gei­ger. Im Forte dage­gen muss ein Gei­ger sei­nen Schall­druck ver­hun­dert­fa­chen, der Kon­tra­bas­sist dage­gen nur ver­zehn­fa­chen, damit das Laut­stär­ke­ver­hält­nis bei­der Instru­mente für das Ohr gleich bleibt.
  6. Beur­tei­len der Ton­höhe ist zeit­ab­hän­gig. Tiefe Töne benö­ti­gen län­gere Zeit für die Tonhöhenbeurteilung.
  7. Noch wahr­nehm­ba­rer Min­dest­ab­stand von 2 Ereig­nis­sen ist 1/​16 sec.
  8. Was bewusst wird, also in den “Kurz­spei­cher” ein­dringt, bleibt etwa 10 sec lang zugäng­lich und ent­spricht der Gegen­wart. Inner­halb die­ser Zeit kann man meh­rere The­men gehört haben, und hört, ech­o­haft, immer noch den ers­ten Ton und den zwei­ten usw.
  9. Das “Sich­auf­bauen” eines Klan­ges ist das ästhe­tisch Bedeutungsvolle.
  10. Ich höre, was ich hören will, was ich mir bewusst mache. Sofern das Gehör dazu ange­lei­tet wird, kann es selek­tie­ren und fokus­sie­ren. Es kann aus einer Viel­zahl unter­schied­li­cher Schall­er­eig­nisse die­je­ni­gen her­aus­fil­tern, wel­che für das Bewusst­sein gerade von Inter­esse sind. […] Jeder hört am abend anders als am Morgen.
  11. Perio­di­sche, also vor­aus­seh­bare und damit unwich­tige Erre­gun­gen bzw. Reize wer­den aus dem Infor­ma­ti­ons­fluss her­aus­ge­fil­tert (Ticken der Uhr, Grillenzirpen).
  12. Nach Gehör gestimmte Gleich­stu­fig­keit zeigt Abwei­chun­gen bis zu 4 cent.

Der Arti­kel fin­det sich auf den Inter­net­sei­ten von Johan­nes Rohlf und kann als pdf-​​Dokument her­un­ter­ge­la­den werden.

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