In der „Zeit” schreibt heute der Literaturwissenschaftler Claude Haas eine präzise Analyse des Medienverhaltens von Angela Merkel als Regierungschefin. Er beleuchtet ihr Auftreten und das ihrer Vorgänger im Spannungsfeld zwischen der Rolle „Held” und „Souverän” und geht der Frage nach, wie Frau Merkel — oder inwiefern eben sie nicht — Macht verkörpert. Er deutet ihr fehlendes Charisma als inszenierte Harmlosigkeit. Am Ende seines Artikels illustriert er seine Gedanken mit einer Beobachtung, die ich bereits häufiger bei Frau Merkel gemacht habe:
Wenn Frau Merkel Militärparaden abnimmt, schreitet sie grundsätzlich frisch und weit aus. Nur dem Takt der Marschmusik gleicht sie ihren Schritt dabei nicht an. Ihre mit Abstand beste Beobachterin und Biografin Evelyn Roll vermutet zu Recht, dass dies für einen Menschen mit Merkels musikalischer Kompetenz eine äußerst schwer zu bewältigende Aufgabe sein dürfte. Weiter kann man sich von der Verkörperung von Macht jedenfalls nicht entfernen, als es die Bundeskanzlerin in solchen Augenblicken tut.
Edit: Der Artikel online.