In den derzeitigen Gesprächen hier in Viersen über das Niveau von Kompositionen, auch vor dem Hintergrund der Diskussion um die neuen Musikinitiativen tauchten immer wieder Zitate von Th. W. Adorno oder Rückgriffe darauf auf. Ich zitiere sie daher hier (via Michael Michaelis):
In der Tat fällt denn auch in die Auffassung des Publikums von traditioneller Musik nur das Allergröbste, Einfälle, die sich behalten lassen; ominös schöne Stellen, Stimmungen und Assoziationen. Der musikalisch Zusammenhang, der den Sinn stiftet, bleibt in jeder frühen Beethovensonate dem durch Radio dressierten Hörer nicht weniger verborgen als in einem Schönbergquartett, das ihn wenigstens daran mahnt, daß der Himmel nicht voll der süßen Geigen hängt, an deren süßen Ton er sich weidet.
Und:
Dies ist nur Musik; wie muß vollends eine Welt beschaffen sein, in der schon Fragen des Kontrapunktes von unversöhnlichen Konflikten zeugen. Wie von Grund auf verstört ist Leben heute, wenn sein Erzittern und seine Starre dort noch reflektiert wird, wo keine Not mehr hineinreicht, in einem Bereich, von dem die Menschen meinen, es gewähre ihnen Asyl vor dem Druck der grauenvollen Norm, und das doch sein Versprechen an sie nur einlöst, indem es verweigert, was sie von ihm erwarten.
Beide Zitate aus Philosophie der neuen Musik, Gesammelte Schriften, Band 12, Suhrkamp