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Thorsten Konigorski

Ominös schöne Stellen

Dienstag, 23. September 2008

In den der­zei­ti­gen Gesprä­chen hier in Vier­sen über das Niveau von Kom­po­si­tio­nen, auch vor dem Hin­ter­grund der Dis­kus­sion um die neuen Musikin­itia­ti­ven tauch­ten immer wie­der Zitate von Th. W. Adorno oder Rück­griffe dar­auf auf. Ich zitiere sie daher hier (via Michael Michae­lis):

In der Tat fällt denn auch in die Auf­fas­sung des Publi­kums von tra­di­tio­nel­ler Musik nur das Aller­gröbste, Ein­fälle, die sich behal­ten las­sen; omi­nös schöne Stel­len, Stim­mun­gen und Asso­zia­tio­nen. Der musi­ka­lisch Zusam­men­hang, der den Sinn stif­tet, bleibt in jeder frü­hen Beet­ho­ven­so­nate dem durch Radio dres­sier­ten Hörer nicht weni­ger ver­bor­gen als in einem Schön­berg­quar­tett, das ihn wenigs­tens daran mahnt, daß der Him­mel nicht voll der süßen Gei­gen hängt, an deren süßen Ton er sich weidet.

Und:

Dies ist nur Musik; wie muß voll­ends eine Welt beschaf­fen sein, in der schon Fra­gen des Kon­tra­punk­tes von unver­söhn­li­chen Kon­flik­ten zeu­gen. Wie von Grund auf ver­stört ist Leben heute, wenn sein Erzit­tern und seine Starre dort noch reflek­tiert wird, wo keine Not mehr hin­ein­reicht, in einem Bereich, von dem die Men­schen mei­nen, es gewähre ihnen Asyl vor dem Druck der grau­en­vol­len Norm, und das doch sein Ver­spre­chen an sie nur ein­löst, indem es ver­wei­gert, was sie von ihm erwarten.

Beide Zitate aus Phi­lo­so­phie der neuen Musik, Gesam­melte Schrif­ten, Band 12, Suhrkamp

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