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Monatsarchiv August 2008

18. August 2008

Deezer

Dee­zer ist eine wei­tere Webap­pli­ka­tion, die wie Mux­tape oder Anywhere.fm davon “lebt”, daß User ihre .mp3-​​Dateien hoch­la­den und zur Ver­fü­gung stel­len, “tei­len”. Sie unter­schei­det sich von den bei­den vor­ge­nann­ten vor allem dadurch, daß man auch als nicht regis­trier­ter Nut­zer bestimmte Titel kon­kret ansteu­ern kann — music on demand — und sogar mit einem eige­nen Player frei auf den eige­nen Sei­ten ein­bet­ten kann, wie es z.B. bei youtube der Fall ist. Ich habe nach wie vor recht­li­che Beden­ken, auch wenn nur gestre­amt wird und die Dateien nicht down­load­bar sind.

14. August 2008

Lernen von Musik.

Nmz-​​Media ver­öf­fent­lichte ges­tern ein Video zu einer taktlos-​​Sendung “Kling-​​Zwang: Jedem Kind ein Instru­ment” — vor dem Hin­ter­grund der nordrhein-​​westfälischen und hes­si­schen Initia­tive. Es schei­nen gute, abso­lut not­wen­dige Initia­ti­ven zu sein, die end­lich dem Rech­nung tra­gen, was in unzäh­li­gen Sonn­tags­re­den fol­gen­los beschwo­ren wurde: der ganz­heit­li­che Wert einer musi­ka­li­schen Erzie­hung. Allein: Gibt es einen Effekt bisher?

Einem Kol­le­gen tat­säch­lich pas­siert: Er geht in die Grund­schule für sei­nen Kin­der­chor wer­ben, singt etwas mit den Kin­dern, die ihn aber offen aus­la­chen. Auf die Frage, warum sie denn lachen, bekommt er die sym­pto­ma­ti­sche Ant­wort: “Wir wuß­ten bis­lang nicht, daß Män­ner sin­gen können.”

Natür­lich hängt das auch damit zusam­men, daß die prä­gen­den Päd­ago­gen der Kin­der in Kitas und Grund­schu­len oft weib­lich sind. Aber den­noch: Sin­gen als All­täg­lich­keit scheint in der Lebens­wirk­lich­keit vie­ler Kin­der über­haupt nicht mehr vorzukommen.

Bemer­kens­wert: Das hes­si­sche Pri­ma­canta–Pro­jekt hat unter ande­rem den Grund­satz: “Das Ler­nen von Musik muss vor dem Ler­nen über Musik statt­fin­den.” Dann ist aber noch viel zu tun.

Und das gehört auch zum Thema: Wer bezahlt sol­che Pro­gramme? Und warum? Dr. Huf­ner schreibt — auf die Initia­tive Musik gemünzt — in einem Kom­men­tar:

So wir­ken diese gan­zen Initia­ti­ven am Ende wie bloße Refle­x­er­schei­nun­gen dar­auf, dass eine die Gesell­schaft durch­drin­gende Musik­kul­tur lang­sam aber sicher der Selbst­auf­lö­sung zutreibt und zwar aktiv: Showzu­ckun­gen und „kul­tu­relle“ Gym­nas­tik­übun­gen beim Übergang zur Durch­ökonomisierung von Kul­tur und ihrer Über­füh­rung zur puren Ware. Kul­tur wird zur Funk­tion wirt­schaft­li­chen Erfol­ges degra­diert, „ver­schö­nert“ allein durch sich expo­nen­ti­ell ver­viel­fa­chende Ethik­kon­zepte soge­nann­ter sozia­ler Ver­ant­wor­tungs­über­nahme sei­tens der Unternehmen.

12. August 2008

Nachtigall.

NachtigallOli­vier Mes­siaen sagt in bezug auf seine Kom­po­si­ti­ons­weise mit Vogel­stim­men: „Ange­sichts so vie­ler ent­ge­gen­ge­setz­ter Schu­len, über­leb­ter Stile und sich wider­spre­chen­der Schreib­wei­sen gibt es keine humane Musik, die dem Ver­zwei­fel­ten Ver­trauen ein­flö­ßen könnte. Da grei­fen die Stim­men der unend­li­chen Natur ein.“

Ob da Nightingale-song.com hilft? Dort kann man einen belie­bi­gen Text in einen Nach­ti­gal­len­ge­sang über­set­zen und als .mp3 down­loa­den (hören).

Update — Ziem­lich schräg: Mit­hilfe des Kako­mes­sen­ger, einer “sin­ging tele­gram machine”, las­sen sich von den vir­tu­el­len Figu­ren “Gina” und “Hum­phrey” gesun­gene, äußerst syn­the­ti­sche Tele­gramme mit frei wähl­ba­rem Text als E-​​Mail ver­schi­cken. Schrill.

8. August 2008

Muxtape

Es geis­tert durch die Blog­ge­ria: Eine eigene Kom­pi­la­tion erstel­len, die zuge­hö­ri­gen mp3-​​Dateien hoch­la­den und der Öffent­lich­keit auf Mux­tape zur Ver­fü­gung stel­len. Dabei steckt ein dicker urhe­ber­recht­li­cher Pfer­de­fuß in den “Terms:”

Users may not upload […] songs they do not have per­mis­sion to let Mux­tape use.

Daher werde ich es auch nicht tun.

5. August 2008

Bloß den Himmel beobachten

Es ist nicht Kunst, auch nicht eine wirk­lich neue Art, zu blog­gen, aber Musik, Spra­che, Farbe und Typo­gra­phie *: justwatchthesky.com

4. August 2008

Rationales Hören

Heute ste­hen in der frei­lich nicht ganz ernst mei­nen­den Kolumne “Links außen” der Düs­sel­dor­fer Rhei­ni­schen Post fol­gende den­noch bemer­kens­werte Zeilen:

Wenn Män­ner in Schnul­zen beson­ders sen­si­bel wir­ken sol­len, dann stür­zen sie vom Schick­sals­schlag an der Mee­res­klippe direkt ans Kla­vier. Denn Musi­ker, so das stille Ein­ver­neh­men zwi­schen Publi­kum und Regis­seur, sind ein­fühl­sam und emo­tio­nal. Alles Quatsch, hat jetzt eine Stu­die erge­ben. Dem­nach den­ken Musi­ker ratio­na­ler als Nicht­mu­si­ker; zumin­dest wenn sie Musik hören, suchen sie nach den Struk­tu­ren im Klang, wäh­rend Nicht­mu­si­ker sich von ihren Gefüh­len hin­rei­ßen las­sen. Also nicht wun­dern, wenn im nächs­ten Pil­cher der Lie­bende was von “unmu­si­ka­lisch” nuschelt, bevor er zu Cho­pin von der Platte ein Weil­chen weint.

Das ist natür­lich ein Frage des Hör­typs (siehe auch hier). Den­noch: Es kommt doch dar­auf an, bei­des gleich­zei­tig zu kön­nen: ana­ly­ti­sches und emo­tio­na­les Hören. Oder, bes­ser noch, sou­ve­rän dar­über ent­schei­den zu kön­nen, wie man hört. Hier gilt doch, was Diet­rich Schwa­nitz in sei­nem zurecht umstrit­te­nen Buch Bil­dung zwar über die Lite­ra­tur (kon­kret: ein Gedicht von Shake­speare), aber den­noch ohne große Mühe auf Musik­re­zep­tion über­trag­bar, schreibt:

Wer so etwas nach­voll­zie­hen kann — nicht müh­sam und lang­sam, […] son­dern im Rhyth­mus und Tempo des Ver­ses — , der hat das Gefühl, Gott am ers­ten Schöp­fungs­tag zuzu­schauen; der erlebt den Urknall als einen poe­ti­schen Orgas­mus der Krea­ti­vi­tät. Es gibt kein bes­se­res Gefühl auf der Erde als die­ses. Es befreit aus Depres­sion und schlech­ter Laune und macht dank­bar dafür, daß man lebt.

2. August 2008

Es troff, aber es traf mich.

Sven Behrisch erzählt in der “Zeit” über “die Platte sei­nes Lebens” (Folge 18 der durch­aus lesens­wer­ten Reihe) über Pur­cells “Dido and Aeneas” nachvollziehbar:

Am Ende des drit­ten Akts gibt Dido eine Arie von so gren­zen­lo­sem Selbst­mit­leid, dass es, wie alles, was nur groß genug wird, Erha­ben­heit bekommt. »Wenn ich in der Erde liege«, singt sie ster­bend im Alt, möge man sie nicht ver­ges­sen – nur, bitte, ihr schreck­li­ches Schick­sal. Es ist das Schönste, was ich gehört hatte. Es troff, aber es traf mich. Ich habe mich in Dido ver­liebt, sie war stär­ker als A.

Die Musik dazu gibts hier.

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