Heute stehen in der freilich nicht ganz ernst meinenden Kolumne “Links außen” der Düsseldorfer Rheinischen Post folgende dennoch bemerkenswerte Zeilen:
Wenn Männer in Schnulzen besonders sensibel wirken sollen, dann stürzen sie vom Schicksalsschlag an der Meeresklippe direkt ans Klavier. Denn Musiker, so das stille Einvernehmen zwischen Publikum und Regisseur, sind einfühlsam und emotional. Alles Quatsch, hat jetzt eine Studie ergeben. Demnach denken Musiker rationaler als Nichtmusiker; zumindest wenn sie Musik hören, suchen sie nach den Strukturen im Klang, während Nichtmusiker sich von ihren Gefühlen hinreißen lassen. Also nicht wundern, wenn im nächsten Pilcher der Liebende was von “unmusikalisch” nuschelt, bevor er zu Chopin von der Platte ein Weilchen weint.
Das ist natürlich ein Frage des Hörtyps (siehe auch hier). Dennoch: Es kommt doch darauf an, beides gleichzeitig zu können: analytisches und emotionales Hören. Oder, besser noch, souverän darüber entscheiden zu können, wie man hört. Hier gilt doch, was Dietrich Schwanitz in seinem zurecht umstrittenen Buch Bildung zwar über die Literatur (konkret: ein Gedicht von Shakespeare), aber dennoch ohne große Mühe auf Musikrezeption übertragbar, schreibt:
Wer so etwas nachvollziehen kann — nicht mühsam und langsam, […] sondern im Rhythmus und Tempo des Verses — , der hat das Gefühl, Gott am ersten Schöpfungstag zuzuschauen; der erlebt den Urknall als einen poetischen Orgasmus der Kreativität. Es gibt kein besseres Gefühl auf der Erde als dieses. Es befreit aus Depression und schlechter Laune und macht dankbar dafür, daß man lebt.