Musik-Blogger-Award
Obwohl ich nicht mehr blogge, hat mich der Berliner Bariton David Stingl (der Sohn von Anton Stingl jun.) für den Musik-Blogger-Award der Flötistin Imke Behr („Flimbe”) nominiert. Das rührt mich sehr, Danke!
Ich bin Kantor an St. Remigius in Viersen. Hier gibt es Photos und meine Lesezeichen.
Obwohl ich nicht mehr blogge, hat mich der Berliner Bariton David Stingl (der Sohn von Anton Stingl jun.) für den Musik-Blogger-Award der Flötistin Imke Behr („Flimbe”) nominiert. Das rührt mich sehr, Danke!
In einer Ausgabe von „politik und kultur” mit dem Schwerpunktthema Die Kirchen, die unbekannte kulturpolitische Macht schrieb der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff für den Deutschen Kulturrat im September 2006 einen Beitrag mit dem Titel: Ohne zweckfreies Tun verkümmert der Mensch (vollständiger Text als Pdf-Dokument). Aus aktuellem Anlass einige Ausschnitte:
Der Kultursektor wird niemals den Break-Even-Point erreichen. Return on investment — Fehlanzeige. Oder doch nicht? Musik-Sozialprogramme (…) haben auf Aufsehen erregende Weise bewiesen, dass an sich zweckfreie musische Aktivitäten Fähigkeiten wie Teamgeist, Konfliktbewältigung und vernetztes Denken fördern. Der Erkenntnisgewinn besteht darin, dass die „Investitionen“ solcher Projekte auch einen bedeutenden „Kapitalgewinn“ für das Gemeinwesen erbringen, der monetär durch nichts aufzuwiegen ist. Also doch: Return on investment. Der unterschwellige Appell zum Gewahrwerden der Nützlichkeit des „Übernützlichen“ (Thomas Mann) hat gewiss sein Gutes. Wir leben in der Tat in einer Zeit, in der sich alles, was Geld kostet, legitimieren muss. Aber ist das Zweckfreie nicht alleine schon dadurch legitimiert, dass der Mensch es für sein Wohlergehen braucht wie die Luft zum Atmen?
Der Stress des Leistungsdrucks mit dem Ziel der ständigen Steigerung des materiellen Lebensstandards gefährdet den Menschen. Das Verhältnis zwischen der Arbeit als einer Leistung, die transitivobjektiv ein Werk verwirklicht, und dem zweckfreien Handeln, das im Erlebnis des Tuns selber seine Erfüllung findet, ist bei vielen Menschen in Unordnung geraten. Ohne zweckfreies Tun verkümmert der Mensch. Der Mensch ist immer ein Fragender gewesen. Er suchte sich selber zu deuten, wenn er malte, Figuren schnitzte, musizierte, dichtete. (…)
Für das individuelle Wohlergehen spielt das kulturelle Erlebnismoment eine absolut unverzichtbare Rolle, man denke an das Erlebnis der Mitwirkung in einem Chor bei der Aufführung von Händels „Messias“ oder an das Gemeinschaftserlebnis in der Schlachtrufe skandierenden Südkurve beim Fußball. Günstigenfalls kann aus dem Erlebnismoment ein Glücksmoment werden. Dieses ist unter Umständen so stark, dass es dem Betroffenen genügend Energie verschafft, um ihn für eine bestimmte Zeit für die Aufgabenlast des Alltags zu wappnen. Wenn die katholische Kirche sich kulturell und musisch-ästhetisch engagiert, dann deshalb, weil sie die Freiräume des Übernützlichen schützen und weiten will. Die katholische Kirche ist beidem verpflichtet: Dem Dienst an den Menschen und dem Dienst vor Gott. Gott lässt sich nicht verfügen wie irgendein „Ding in der Welt“. Wer glaubt, wird daher sensibel für alles, was seine kognitiven Alltagsvollzüge entgrenzt. Er überschreitet – lateinisch „transzendiert“ – seine Egozentrik. Das verbindet den Glauben mit der Kunst: Glaube und Kunst gehen aus einer gesteigerten Aufmerksamkeit in der Wahrnehmung der Wirklichkeit hervor. So öffnen sie auch den Blick für jene Bereiche, die sonst leicht übersehen oder missachtet werden. Dazu gehören alle kulturellen Ausdrucksweisen, die Unbedingtheit, Authentizität und geistiges Ringen um letzte Fragen verkörpern. Als deren Anwältin versteht sich die katholische Kirche. (Quelle)
Die Remigiusorgel als Grenzerfahrungsktalysator: Im Rahmen einer Kunstaktion des „Wortfindungsamts” in Viersen von Sigrid Sandmann vom 16. bis 21. September 2011 steuerte Christiane Leuchtenberg diese Interpretation der Orgel bei.
Aus heutiger Sicht bin ich heilfroh, Anfang des Jahres … die relative Gunst der Stunde in der brüchigen, sich rasant veränderten und mir oft genug gleichsam potemkinesk anmutenden „heilen” Welt der hiesigen Niederung … zur Aufführung Johann Sebastian Bachs großartiger Matthäuspassion genutzt zu haben. Die Bedingungen waren in der Tat gut und das Echo positiv.
Das Jahr jedoch gibt mir rasant und brüchiger recht, als ich — traurig, froh zugleich und schlaflos immer — befürchtete. „Darum ist krank unser Herz, darum sind trüb unsere Augen” (Klagelieder). Nun ist zu bangen um längst als selbstverständlich und notwendig Formuliertes. Potemkinesk, aber ja.
Fundstücke aus dem Netz. Es gibt einen Feed dazu.
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